Seminar für internationale Stipendiat/innen des Bundestages

„Hallo und schön, etwas über dich zu erfahren!“

Wenn 117 junge Menschen aus 35 Ländern für fünf Monate nach Deutschland kommen, um im Bundestag ein Praktikum zu machen, dann ist das vor allem eine Menge an Erwartungen, Hoffnungen, Meinungen, Kulturen und Witz. Und damit eine echte Herausforderung für planpolitik, diese Gruppe beim fünftägigen Auftaktseminar ans Thema plurale deutsche Gesellschaft heranzuführen und nebenbei ein Stück weit auch zu formen.

Das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) des Deutschen Bundestages begann vor genau 30 Jahren als kleines Programm und ist heute eines der umfangreichsten und ausgefeiltesten Programme dieser Art weltweit. Dafür wird jedes Jahr eine Gruppe weltoffener junger Menschen zusammengestellt, die in Auswahlgesprächen sowohl mit ihren Sprachfertigkeiten als auch ihren Kenntnissen von Politik und Gesellschaft überzeugen können. Damit sich die Gruppe kennenlernt und der Einstieg in die Praktikumszeit reibungslos verläuft, steht gleich zu Beginn des Aufenthalts ein fünftägiges Einführungsseminar an.

Dieses Seminar haben wir im Jahr 2016 erstmals gestaltet und in zwei Gruppen von je knapp 60 Personen nacheinander durchgeführt. Den Anfang des Programms machte ein interkulturelles Training, das mit einem Wechsel von Theorie und praktischen Übungen die Teilnehmenden für die Arbeit in einer kulturell vielfältigen Gruppe sensibilisierte. Anschließend wurden die hier entdeckten Gemeinsamkeiten und Unterschiede persönlicher Art in die Politik überführt: Das Planspiel „Minderheitenrechte“ machte in harten Verhandlungen den Unterschied zwischen persönlicher Toleranz und gesellschaftlichen Schutz- und Akzeptanzmechanismen deutlich: Soll ein Gottesbezug in die neue Verfassung des fiktiven Staates aufgenommen werden? Welche Kriterien muss eine Minderheit erfüllen, um als solche anerkannt zu werden?

Auf einer Exkursion bekamen die Stipendiat/innen dann u.a. in einem gemeinsamen Gespräch mit einem Rabbiner und einem Imam in einer Synagoge und im Austausch mit den Initiator/innen des Vereins „Asyl in der Kirche Berlin“ Einblick in das Leben von Minderheiten in Deutschland.

In Workshops der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bzw. des Lesben- und Schwulenverbands Berlin diskutierten die Stipendiat/innen schließlich, wie der deutsche Staat und unsere Zivilgesellschaft die immer noch vorhandene Diskriminierung von Minderheiten bekämpfen.

Nach all dem Input stellte sich natürlich die Frage: Was tun mit so vielen Eindrücken, Begegnungen, Erfahrungen? Wir wussten Rat und forderten die Stipendiat/innen beim Pluralismusabend auf, sich mit Film, Gesang, Tanz und Theater ganz individuell mit dem Thema Pluralismus auseinanderzusetzen. Das Ergebnis auf der Bühne sowie an Büffet und Mischpult kannte keine Grenzen. Wir wünschen den Stipendiat/innen für den Rest ihres Stipendiums eine genauso abwechslungsreiche Zeit wie in diesen fünf Tagen!

Fakten

Zielgruppe

Stipendiat/innen aus dem Programm Internationales Parlaments-Stipendium (IPS)

Zielsetzung
  • Kenntnisse über nationale, ethnische und religiöse Minderheiten in Deutschland
  • Praxis der Minderheitenpolitik
  • Selbstorganisation und Forderungen von Minderheiten
  • Umgang mit Konflikten
Auftraggeber/in

Deutscher Bundestag

Dauer Veranstaltung

10 Tage (2x5 Tage)

Anzahl der Teilnehmenden

117 (in zwei Gruppen von knapp 60 TN)

Ort

Berlin-Schmöckwitz

Sprache

Deutsch

Kompetenzen