Unser erstes historisches Planspiel zum Ersten Weltkrieg

Frieden neu verhandeln – Versailles and beyond!

  • © Krisztina Turna
  • © Krisztina Turna
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2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Auf Initiative des Collegium Hungaricums in Berlin konzipierten wir zum Gedenkjahr eine ganz besondere Veranstaltung: In einem komplexen Planspiel spielten 30 Teilnehmende aus ganz Europa die Pariser Friedenskonferenzen zu Deutschland, Österreich und Ungarn historisch korrekt nach. In einer zweiten Phase wurden die Verhandlungen wiederholt, diesmal aber mit der Vision, eine alternative, eine nachhaltige europäische Friedensordnung zu schaffen.

Bei den Pariser Friedensverhandlungen handelten 1919/20 die Siegermächte die Bedingungen für den Frieden mit den Besiegten, den sog. Mittelmächten, aus. Die Ergebnisse wurden diesen schließlich zur Unterschrift vorgelegt, ohne dass sie ein substanzielles Mitspracherecht bei der Gestaltung der Verträge gehabt hätten. Genauso frustrierend wie für ihre historischen Vorbilder war diese Situation dann auch für die Vertreter/innen der Mittelmächte in der ersten Phase unseres Planspiels.

Das Planspiel „Den Frieden neu verhandeln“ stellt nämlich die Inhalte der Verhandlungen und die Positionen und Machtverhältnisse der beteiligten Akteure historisch korrekt dar, was für uns eine umfassende, durchaus auch neue Art der Recherche in der Vorbereitungszeit bedeutete.

Die Teilnehmenden aus ganz Europa kamen im Rahmen des von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und verschiedenen Stiftungen ausgerichteten „History Campus ´14“ in Berlin zusammen. Soweit möglich wurden sie entgegen ihrer Nationalitäten auf die Rollen verteilt. Dadurch entstanden ganz besondere Momente, etwa als ein ungarischer Teilnehmer in der Rolle des Briten die Abtretung Siebenbürgens von Ungarn an Rumänien forderte, während ein Rumäne in der Rolle Ungarns genau dies zu verhindern versuchte. „It breaks my heart because I’m Romanian“, sagte er dazu lachend.

Über das historisch-korrekte Nachspielen der Verhandlungen bekamen die Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in die historischen Fakten zum Ersten Weltkrieg und seinen Folgen. Doch dabei sollte es nicht bleiben: In der zweiten Phase wiederholten die Teilnehmenden die Verhandlungen, diesmal sollten sie aber ihr Wissen um die tatsächlichen katastrophalen Entwicklungen in den Jahrzehnten nach dem Abschluss der Verträge in ihre Verhandlungen einbeziehen. So wurde die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft geschlagen, neue Ideen entwickelt (etwa ein Verzicht auf Reparationen oder die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Heeres). Eine der Lehren aus der Veranstaltung war, dass der Gedanke der europäischen Einigung schon damals eine gute Antwort gewesen wäre, aber die Zeit dafür wohl noch nicht reif war…

Fakten

Zielgruppe

Studierende und junge Menschen aus ganz Europa

Zielsetzung
  • Größere Vertrautheit mit den historischen Zusammenhängen zwischen dem I. Weltkrieg und den Friedensverhandlungen
  • Reflexion über die Folgen der Pariser Friedensverträge für die Europäische Nachkriegsordnung
  • Besseres Verständnis der anderen Sichtweisen
Auftraggeber/in

Collegium Hungaricum Berlin

Dauer Veranstaltung

2,5 Tage

Anzahl der Teilnehmenden

30

Ort

Berlin

Sprache

Englisch

Kompetenzen

Stimmen

  • Im Rahmen des Planspiels „Frieden neu verhandeln“ haben wir sehr gute Erfahrungen in der erneuten Zusammenarbeit mit planpolitik gemacht.
    Planpolitik ist es gelungen, nach ausführlicher Vorbereitung komplexe, historische Sachverhalte in ein kompaktes Planspiel einzubringen, das innerhalb von 2,5 Tagen durchgeführt werden konnte. Die langjährige Erfahrung mit diesem Format machte sich auch bei der Veranstaltung bemerkbar, bei der unter professioneller Anleitung und in entspannter Atmosphäre flexibel auf die Teilnehmer und ihre Bedürfnisse oder Spielweise eingegangen wurde. Für alle, Teilnehmer wie Organisatoren, war es eine gewinnbringende Erfahrung. Ich hoffe, es wird noch viele Friedens-Neuverhandlungen geben!

    Corinna Erlebach, Kultur- und PR-Managerin, Collegium Hungaricum Berlin | .CHB

In den Medien

  • politikorange (10.05.2014): Video über den History Campus 2014

    Collegium Hungaricum (12.05.2014): Dokumentation zum Planspiel

    Collegium Hungaricum (08.06.2014): Video zur Ausstellung “Die große Illusion” – die Installation zum Planspiel ist ab Minute 6.38 zu sehen

    die tageszeitung (01.07.2014) über die Ausstellung “Die große Illusion”: Die Brille des Irrealen