Zweitägige Konferenz im Auftrag der Evangelischen Akademie Berlin und der bpb

Qualifiziert handeln – Flüchtlinge im Gemeinwesen

  • © Evangelische Akademie Berlin / Julia Brilling
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Kann man der Frage nach gelungener Integration von Flüchtlingen in deutschen Kommunen anhand von Planspielen näher kommen? Wir sagten – JA! Und bewiesen auf einer zweitägigen Konferenz, wie mit Kurz-Simulationen und interaktiven Methoden ein reger Erfahrungs- und Ideenaustausch zwischen Akteuren aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Politik und Polizei angestoßen werden kann.

Vier fiktive Planspiel-Szenarien thematisierten am ersten Tag der Konferenz Aspekte der Organisation und Integration von Flüchtlingen im städtischen und ländlichen Raum. Wo soll man die ankommenden Flüchtlinge unterbringen, wie sieht ihre Versorgung aus, welche Integrationsmaßnahmen werden angeschoben und wie kann man den Flüchtlingen selbst eine hörbare Stimme in diesem Prozess geben?

Sowohl die Komplexität als auch die Aktualität des Themas zeigten sich in den anschließenden Kleingruppen: Dort setzten sich die Teilnehmenden mit entgegen gesetzten Interessen, finanziellen Belastungsgrenzen, rechtlichen Rahmenbedingungen und auch mit von Teilen der Bevölkerung offen artikulierter Ablehnung von Flüchtlingen auseinander. Darauf aufbauend stellten die Teilnehmenden einander funktionierende Beispiele der Flüchtlingsarbeit vor und diskutierten, welche Stellen in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft eine Verbesserung der Situation angehen könnten. Gleichzeitig brachen aber auch immer wieder Wut und Erregung über bestehende Verhältnisse durch – und auch dafür war Platz!

Am zweiten Tag machte ein Planspiel zum Thema Irritation den Auftakt – wie geht die Gesellschaft mit potentiell rassistisch motivierten Äußerungen und Handlungen gegenüber Flüchtlingen um? Welche sonst unsichtbaren Allianzen zwischen unterschiedlichen Akteuren blitzen unerwartet auf, um Mal um Mal Fremdenfeindlichkeit als individuellen Dummen-Jungen-Streich abzuwiegeln? Und warum werden die Stimmen der Flüchtlinge viel zu wenig gehört? In den abschließenden Kleingruppen kristallisierte sich die elementare Rolle der Präventions- und Aufklärungsarbeit heraus, was umgehend den Bedarf an entsprechenden Qualifikationsmöglichkeiten laut werden ließ.

Über den Verlauf der zwei Tage ermöglichte das Veranstaltungskonzept den Teilnehmenden die Reflexion der eigenen Rolle bei der Arbeit mit Flüchtlingen sowie der Interdependenz verschiedener Aktivitäten und Akteure und den Aufbau eines Netzwerks mit engagierten Menschen aus ganz Deutschland.

Im April 2015 hat die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Berlin eine Dokumentation der Veranstaltung veröffentlicht. Die Neuauflage der Konferenz im Oktober 2015 im Rahmen des bpb-Programms “Zusammenhalt durch Teilhabe” wurde ebenfalls dokumentiert.

Fakten

Zielgruppe

Kommunalpolitiker/innen, Verwaltungsangestellte, Flüchtlingsvertreter/innen, Vertreter/innen der Zivilgesellschaft, Polizei, Interessierte Öffentlichkeit

Zielsetzung
  • Perspektivwechsel
  • Austausch von Erfahrungen und „good practice“ Beispielen
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen
  • Aufbau und Pflege eines bundesweiten Netzwerks
Auftraggeber/in

Evangelische Akademie Berlin

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Dauer Veranstaltung

2 Tage

Anzahl der Teilnehmenden

56

Ort

Berlin

Sprache

Deutsch

Kompetenzen

Stimmen

  • Ich bin positiv überrascht, wie gut der Austausch von Wissen und Good Practice in jeder Runde funktioniert hat, besonders in der letzten.
    Teilnehmerin

  • Bei der Planspielmethode war aus meiner Sicht das Wichtigste, dass man andere Positionen nicht dafür kennengelernt hat, um Verständnis dafür zu entwickeln, sondern um sich gegen die Argumente des Gegners besser rüsten zu können. Wenn man sie einmal angewandt hat, dann hat man auch die besseren Antworten darauf.

    Teilnehmer

  • Das Gesamtkonzept ist gut, um den divergierenden Akteuren vor Ort die Chance zu geben, ihre Rolle im Gesamtzusammenhang zu sehen. Planspiele in jede Kommune!

    Teilnehmerin